Kein Bock auf Wollen sollen

Ich stehe im Zeitungsladen meines Vertrauens und von allen Titelseiten schreit es mir entgegen, was ich tun muss um guten, noch besseren und völlig ekstatischen Sex zu haben. Überall werde ich aufgefordert, die Tabus über Bord zu schmeißen und exotische Techniken, Sextoys oder Sex-Chats zu nutzen, um meine eingeschlafene Sexualität zu beleben. Um mir die Hemmungen zu nehmen, gibt es Erfahrungsberichte. Nur, für was brauchen wir denn heute noch eine Erlaubnis beim Sex?

Die Zeiten der Tabus sind doch schon lange vorbei. Wir leben in einem Zeitalter des Überflusses an Bildern und Möglichkeiten den Sex betreffend. Und das gilt nicht nur für den Mann, der so damit beschäftigt ist, sich jeden Abend die Pornos aus dem Internet herunter zu laden, sie zu archivieren und zu brennen, dass er gar nicht mehr dazu kommt, sie zu betrachten.

Solange klar war, dass Sex der Fortpflanzung dient und Lust eine nette, aber nicht groß besprochene Zugabe ist, war es leichter zu spüren, was man will und was einen anmacht. Manchmal stürzte es einen in Konflikte und da wäre eine Erlaubnis sicher sinnvoll gewesen: Du findest Oralverkehr aufregend? Warum nicht, du bist nicht die Einzige. Wenn ich etwas so sehr will, dass ich bereit bin, ein Tabu dafür zu brechen, brauche ich an meiner Lust nicht zweifeln. Und gleichzeitig schützen mich die Tabus davor, Dinge ausprobieren zu müssen, die mich nicht anmachen.

Und heute? Heute können wir alles, und sollen alles. Schon aus gesundheitlichen Gründen: Sex macht schön, verbrennt Kalorien, hält jung, tut der Beziehung gut...  Kein Wunder, dass die Lustlosigkeit im Bett immer mehr um sich greift. Damit wir uns richtig verstehen: Ich will nicht zu den alten Verboten zurückkehren. Aber ich bin dafür, endlich mal mit dieser Jubelei aufzuhören. Sex ohne Tabu ist nichts Gutes an sich. Den Umgang mit dem Überfluss an Möglichkeiten müssen wir erst noch lernen. 

Zum Beispiel durch selbstbewusste Beschränkung: Andere finden Analverkehr geil? Von mir aus, ich nicht. Swingerclubs? Ich finde es für mich völlig in Ordnung, wenn ich sie nicht ausprobiere. Stehen Sie dazu, dass Sie die angeblich langweilige Missionarsstellung am meisten genießen. Oder einen Blow-Job nur dreimal im Jahr machen, wenn Sie wirklich Lust darauf haben. Und lassen Sie als erstes alle Artikel oder Sendungen weg, die Ihnen einreden wollen, dass Sie alles wollen dürfen.

So ein Quatsch. Wer will uns denn irgendetwas erlauben? Was wir wirklich schön finden, wollen wir auch ohne Erlaubnis. Und den Rest brauchen wir nun wirklich nicht wollen müssen! 

(C) Berit Brockhausen


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Berit Brockhausen
Paar- und Sexualtherapie in Berlin
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