Warum Sie Sex-Tipps getrost vergessen können

Ich gebe es zu: Wenn ich die Verkaufszahlen von Ratgebern wie „Der perfekte Liebhaber“ oder „Sex für Dummies“ sehe, dann bin ich neidisch. Gleichzeitig tun mir die Leser und Leserinnen leid, die glauben, diese Tipps werden den Sex wirklich schöner machen. Denn auf die meisten wartet eine böse Enttäuschung.

Wer sich um eine gute sexuelle Performance bemüht, der leugnet den Abgrund, der beim Sex auf uns lauert. Er macht sich vor, dass es um optimierten Lustgewinn ginge, wo doch in Wirklichkeit viel mehr auf dem Spiel steht: beim Sex geht es nämlich um uns selbst, um Identität, um unser Da-Sein, es geht darum, zu sich selbst zu stehen, es geht darum, in einen echten Kontakt mit dem Gegenüber zu gehen und es geht um Intimität. Das ist brisant. Gefährlich. Es droht die Gefahr, sich zu verlieren. Oder abgelehnt zu werden. Wer sich ungeschützt so zeigt, wie er ist, kann tief verletzt werden.

Weil sie genau dies spüren, suchen die Ratgeberleser und –leserinnen Sicherheit: Was ist normal? Was machen andere? Was ist erwünscht? Wie muss ich mich verhalten? Doch wenn Sie sich an diesen äußeren Dingen orientieren (selbst wenn sie in Ratgebern empfohlen werden!) vergrößern Sie das Problem – weil die Sex-Tipps es banalisieren.

Sex wird tatsächlich gelernt. Aber eben nicht, wer wann wen wo und in welcher Weise anfasst! Sondern jeder von uns bringt seine tiefsten und ältesten Lebenserfahrungen mit ein beim Sex. Nämlich alles, was wir gelernt haben über den Umgang mit Bedürfnissen, Grenzen, Gefühlen, Konflikten und unserem Körper. Dazu kommen dann noch unsere Beziehungserfahrungen, unsere Überlebensstrategien und das, was wir über das Mann- oder Frausein gelernt und wie wir Sexualität kennengelernt haben.

All dies macht uns als Personen aus und prägt uns – und damit auch die Sexualität, die wir leben (können). Es macht sie so gefährlich. Denn sie konfrontiert uns, wenn wir es zulassen, mit unseren Ängsten und Sehnsüchten. Mit unseren alten Verletzungen und Heilungsversuchen.

Alles richtig zu machen im Bett, beruhigt da leider nur oberflächlich. Weil es letztlich unmöglich ist, alles „richtig“ zu machen. Denn auch ein Oralverkehr, der nach allen Regeln der Kunst ausgeführt wird, kann Selbstverrat sein. Doch zum Glück ist der Körper auch noch da. Er ist der unbestechliche Kompass, der sagt: So nicht. Er reagiert mit Lustlosigkeit oder fehlender Erregung, wehrt sich mit Schmerz, ausbleibendem Orgasmus oder sabotiert den Versuch, alles im Griff zu haben, mit einem vorzeitigen Samenerguss.

Besser, Sie nehmen das ernst. Kein Wunder, wenn Ihnen die Sex-Tipps nicht geholfen haben – es liegt nicht daran, dass Sie ein hoffnungsloser Fall sind. Sondern es liegt daran, dass der Weg zu schönerem Sex eben nicht über verbesserte Techniken führt. Sondern über die Bereitschaft, sich selbst zu verstehen und zu akzeptieren.
Und mal ganz ehrlich: den Tipp, offen mit dem oder der Liebsten über die eigenen Wünsche zu reden, der scheitert doch nicht daran, dass niemand weiß, dass das gut wäre. Sondern an dem Mut, es zu tun.
Deshalb sind die Empfehlungen in meinem neuen Buch "Guter Sex geht anders!" auch so ungewöhnlich. Ich zeige Ihnen, wie Sie mehr Selbst-Vertrauen entwickeln, wie Sie üben, liebevoll zu enttäuschen und ein ehrliches Nein als Liebesbeweis annehmen können. Sie werden erfahren, wie Sie Entscheidungen treffen, die dazu führen, dass Sie endlich schönen Sex haben, weil Sie sich zeigen und neugierig den Partner zu einer Reise zur Lust einladen.
Und das wird wohl ein ganzes Leben aufregend bleiben.

(C) Berit Brockhausen


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Berit Brockhausen
Paar- und Sexualtherapie in Berlin
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