Das Geheimnis der Hingabe ist die Kontrolle

„Ich kann mich einfach nicht fallen lassen!“ Auch so ein Satz, den ich in den Beratungen oft höre. So gut wie immer sind es Frauen in der Sexualberatung, die ihn sagen.

Ich finde die Formulierung genial. Weil sie Problem und Lösung zugleich enthält. Nur leider fällt das zunächst nur mir auf. Vielleicht, weil ich den ziemlich verbreiteten Anspruch merkwürdig finde, dass man sich beim Sex fallen lassen können muss. Im wahren Leben sind die Leute viel vernünftiger. Im Ernst – würden Sie sich von einem Dach fallen lassen, ohne vorher zu prüfen, dass der Boden nicht zu weit entfernt und der Untergrund weich ist? Na bitte.

Das ist in der Sexualität ganz genauso. Wer sich in einen Fluss stürzen will, sollte schwimmen können, sonst wird es eine Angstpartie und kein Vergnügen. Wer sich beim Sex fallen lässt, muss ebenfalls darauf vertrauen können, dass es schön wird. Jetzt erklären Sie mir aber bitte nicht, dass Sex doch sowieso und immer schön ist. Dazu weiß ich (wie Sie) einfach zu viel von unangenehmen Reiben an empfindlichen Stellen, von zu schnellen oder zu heftigen Bewegungen, von eingeschlafenen Beinen, unabsichtlichem Ziepen, Kneifen, Kitzeln oder langweiligem Gefummel. Und all das kann auch dem verliebtesten Paar und dem begabtesten Liebhaber (jawohl!) passieren.

Sie können also nicht ausschließen, dass solche Missgeschicke beim Sex passieren. Doch Sie sollten sie nicht erdulden. Zumindest dann nicht, wenn Sie sich beim Sex fallen lassen wollen. „Das Geheimnis der Hingabe ist die Kontrolle,“ ist einer meiner Lieblingssätze und ich benutze ihn häufig. (Er stammt von der Sexualtherapeutin Dagmar O'Connor). Um dann fortzufahren: „Ignorieren Sie nicht mehr, wenn Ihnen etwas zu viel oder unangenehm wird. Egal, wie gut es gemeint ist: wenn es Ihnen nicht gefällt, ist es auch nicht richtig für Sie!"

Und das meine ich ernst. Zeigen Sie, was Sie nicht mögen - oder wünschen Sie sich etwas anderes. Stoppen Sie sofort, wenn etwas weh tut. Es gibt genug andere vergnügliche Dinge, die Sie beim Sex stattdessen tun können. Versuchen Sie darauf zu vertrauen, dass der Partner  auf Ihre Unterbrechung positiv reagiert (das sollte er, denn mit jemandem, der sagt, wie es noch schöner wäre, kann man tatsächlich phantastischen Sex haben!). Und lernen Sie sicherheitshalber, auf blöde Reaktionen gelassen zu reagieren.

Interessanterweise verstehen die Frauen sofort, was ich meine.  Werden nachdenklich. Fragen noch einmal nach: "Das Kontrollbedürfnis ist also gar keine Störung sondern sinnvoll?" Unbedingt! Denn nur, wer die Kontrolle übernehmen kann, wenn etwas schief läuft, kann sich genüßlich allem hingeben, was gut läuft. 

(C) Berit Brockhausen

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Berit Brockhausen
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